Serie Relational Design

Teil 1/3: Continuous Communication

Was muss gutes Design im digitalen Zeitalter leisten, welche Rolle spielen Aspekte wie Usability, User- und Brand Experience dabei und welche Elemente prägen eine optimale Customer Journey? Was langfristig die Werte einer Marke wirklich steigert, beantwortete die Münchner Agentur für interaktive Kommunikation CODE64 mit ihrem Vortrag zum Thema „Relational Design: Kreation der Beziehungen“ auf der Munich Creative Business Week 2015, Deutschlands größtem Design-Event für Kreativschaffende und Unternehmen.

Kommunikation hat sich durch die digitalen Medien komplett verändert: Die Art, wie wir als Kunden mit Unternehmen und Marken kommunizieren, aber auch die Art der Geräte, über die wir uns vernetzen mit den unterschiedlichsten Interfaces, über die wir interagieren.

In diesem Kontext ist Design weit mehr als reine Oberflächen-Gestaltung. Es hat das Potenzial, Beziehungen zu schaffen. Dieses Relational Design und Kreation der Beziehungen macht sich aus unserer Sicht an drei wesentlichen Aspekten und Fragestellungen fest.

In einer dreiteiligen Serie geben wir hier die wesentlichen Inhalte des Vortrags wieder. Im ersten Teil beschäftigen wir uns mit der Frage, wie Design in einem überall verfügbaren Internet auf dem jeweiligen Device die optimale User-Experience bieten kann.

#1 CONTINUOUS COMMUNICATION
Kommunikation wird zunehmend als ein kontinuierlicher, ortsunabhängiger Prozess verstanden. Hier einige Beispiele, wie neue vernetzte Geräte eine neue Kommunikation schaffen können:

Mit einem Kaufwert von 3,2 Milliarden Dollar ist Nest Labs eine von Googles teuersten Erwerbungen. Das Unternehmen stellt lernfähige, mit dem Internet verbundene Thermostate und Rauchmelder her.
In Kürze erscheint die von vielen ersehnte Apple Watch, die nicht nur den Herzschlag misst, sondern auch Botschaften. Im Produktvideo tauschen Jane und Alex Herzchen aus. Bereits marktfähig sind die ersten Datenbrillen wie Google Glass oder Oculus Rift.
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Wir beobachten die folgende Entwicklung: Mobile als Begriff löst sich auf, weil die Grenzen zwischen Mensch & Device verschwinden.

Design muss eine Antwort auf diese Entwicklung finden.

Ein kurzer historischer Exkurs zur Entwicklung der Mensch-Computer Interaktion: Diese Wissenschaft beschäftigte sich bereits 1980 mit der Gestaltung einer Schnittstelle zwischen Mensch und „Maschine“. Ende der 1980er Jahre wurde das Interaction Design im Zuge der „Graphical User Interfaces“ (GUI) als eigenständige Designdisziplin ins Leben gerufen. Diese grafische Oberfläche als Schnittstelle zwischen Benutzer und Computer machte die Maschine für den Menschen bedienbar.


Wir haben die Evolution der „Mensch-Computer Beziehung“ bereits vollzogen. Die Entwicklung geht, nach einer langen Phase der stationären Tastatur/ Maus-Interaktion über die mobilen Devices nun zu körpernahen Interfaces über.

Der Touchscreen verändert alles

Der Touchscreen spielt in der Entwicklung eine wichtige Rolle. Diese Oberfläche hat das Verhältnis von Usern zum Computer entscheidend verändert. Das Anfassen wird real – das „Handauflegen“ löst eine Interaktion aus, der Besucher wird zum aktiven Gestalter.
Noch mehr: Der Benutzer sieht, hört und fühlt, wenn er mit einer Anwendung oder einem Endgerät interagiert.
Es ist ansprechbar. Und so erreichen wir letztlich auch, dass eine Botschaft beim User ankommt und ihn interagieren lässt.
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Design sieht jetzt nicht nur gut aus, es fühlt sich gut an.

In der technischen Entwicklung, von der mobilen Technologie – über wearable Gadgets – bis zu den internetgesteuerten Alltagsgegenständen des Internet der Dinge – sind „Digital und Human“ enger verzahnt denn je.

Die unterschiedlichen Devices stellen ganz neue Anforderungen an das Design. Der Designprozess muss eine Antwort finden auf Aspekte wie Ort- und Zeitrelation, unterschiedliche Displaygrößen – für eine kontinuierliche Kommunikation.

Responsive Design ist Standard (oder sollte es zumindest sein). Worum es jetzt geht, ist „Beyond Responsive“: Eine Continuity-Website muss – jenseits von der reinen responsiven Skalierbarkeit – auf jedem Device eine optimale User-Experience bieten: Statt die Inhalte nur in ihrer Größe anzupassen, verändert die Seite ihr Verhalten passend zum Device und zur Situation.

Wenn wir über Kontinuität sprechen, sprechen wir auch über eine nahtlose User Experience innerhalb der Anwendung, in der ich mich befinde. Auf welchem Gerät ich bin, ist untergeordnet. Bei Apple heisst das zum Beispiel, Anrufe auf meinem MacBook anzunehmen und auf meinem iPhone weiterzuführen; die E-Mail, die ich hier angefangen habe, von dort zu versenden.

Von der App zur zentralen Steuerung

Ein Paradigmenwechsel findet statt: Weg von der einzelnen Anwendung, hin zu einer zentralen Steuerung, die den Content der einzelnen Apps aggregiert. So kann ich in meinem Benachrichtigungsfenster die gewünschten Aktionen direkt ausführen, ohne die betreffende Anwendung selbst öffnen zu müssen.

Unabhängig vom Gerät – ob Desktop oder Mobile Device: Hier geht es um das Design eines Systems, nicht von einzelnen Seiten. Dieses System besteht aus individuellen, miteinander verbundenen Komponenten. Ein Beispiel: Facebook ist keine Website, es ist ein System verbundener Informationen. Und die einzelnen Beiträge existieren eigenständig und können beliebig aggregiert werden – ob im Newsfeed, der Timeline oder auf den Seiten.

Fazit von #1

Es geht um die Gestaltung einer kontinuierlichen, orts- und zeitunabhängigen Kommunikation mit nahtloser User Experience in einem System individueller Komponenten.

Im Teil #2 „STORY DRIVEN DESIGN“ werden wir darstellen, wie neue Erzählmechanismen entstehen und der User zu einem Teil einer Geschichte werden kann.

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